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2008 Teil 11: Niue ( September 2008 )
Niue –
ein riesiger Korallenkopf mitten im pazifischen Ozean mit einem ebenso riesigen
Herzen, so würde ich den kleinsten Staat auf dieser Welt mit wenigen Worten
beschreiben.
Niue (www.niueisland.com) ist anders als die anderen Inseln
im Pazifik, es gibt nur wenige Strände, die Küsten sind steil und felsig.
Offiziell leben hier noch ca. 1400 Einwohner, wir glauben jedoch, dass es
tatsächlich viel weniger Einwohner sind. Aber wenn man die Inselbewohner darauf
anspricht, sagen sie die offizielle Zahl oder geben dir den Rat die Einwohner
selbst nachzuzählen, wenn du ihnen nicht glauben willst. Es ist eine kritische
Frage, da die Insel ihre Selbstständigkeit verliert, wenn sie weniger als 1000
Einwohner aufweist. 
Die Menschen hier sind herzlich, jeder kennt jeden und
selbst wir Segler werden gleich in die Mitte der Einwohner aufgenommen. Jeder
grüßt jeden und auch für ein Schwätzchen muss immer Zeit sein. So werden wir wo
immer wir auch sind, angesprochen, ob wir von dem Segelschiff im Hafen seien und
woher wir kämen. Damit waren wir schnell im Gespräch und lernten den einen oder
anderen Einwohner näher kennen. Da sich alle Einwohner persönlich kennen, ist es
für sie offensichtlich, dass wir Fremde sind. Aber umso besser, da erfahren sie
mal was Neues.
Tourismus ist hier sehr begrenzt, da es wöchentlich nur
jeden Freitag einen Flug nach Auckland gibt.
Somit
gibt es hier auch nur ein Hotel und eine Tauchschule. Aber man ist
erstaunt, wie viel für den Tourismus und uns Segler getan und geboten wird. Es
gibt eine Touristeninformation, Inselkarten, Internetseiten und das Beste für
uns Segler, es gibt hier einen Yachtclub!
Der Niue Yacht Club –
www.niueyachtclub.com - ist der größte kleinste Yachtclub auf der Welt mit
zurzeit ca. 1300 Mitgliedern. Sie haben zwar keine eigenen Yachten und keine
Marina, aber dafür genug Weltensegler, die hier ihren Stopp machen (ca. 160
Yachten jährlich). Somit ist ihre Aufgabe sich um diese Segler zu kümmern und
sie zu verwöhnen. Dieser Yachtclub ist einzigartig, anders kann man das nicht
sagen. Jedes Jahr bringen sie 20 gut gewartete Moorings (10 Neuseeland Dollar
pro Nacht als Liegegebühr) für die Segelsaison aus, die sie zur Zyklonzeit immer
wieder aus dem Wasser holen. Am Steg befinden sich warme Duschen, Toiletten und
eine Waschbecken für Handwäsche.
Bei
einem netten Cafe, das von Jim und seiner Familie geführt wird, befindet sich
das Clubhaus des Yachtclubs mit kostenlosen Wifi! Manchmal hat man sogar das
Glück, dass man auf seiner Yacht Wifi-Empfang hat, was das Skypen mit
Deutschland bei einem Zeitunterschied von 13 Stunden sehr vereinfacht.
Keith und Ernie (zwei ältere Herrn, die ihre
Rentneraufgabe im Yachtclub gefunden haben) sind Tag und Nacht per Funk auf
Kanal 16 zu erreichen und versuchen alle Wünsche der Segler zu erfüllen. So
halfen sie uns beim Anlegen an der Pier zum Wasserbunkern, oder versorgten uns
mit frischem Obst, oder gaben uns den neusten Wetterbericht. Gut, dazu muss man
sagen, dass wir das Glück hatten die einzige Yacht im Hafen zu sein. Aufgrund
einer schlechten Wettervorhersage mit einem Tief sind alle Yachten zwei Tage
nach unserer Ankunft nach Tonga geflüchtet. Sie wollten uns auch überzeugen mit
zu segeln, aber wir sagten, wir würden das schlechte
Wetter
hier durchstehen, da wir unbedingt diese außergewöhnliche Insel länger erkunden
möchten.
Unser erstes Highlight erlebten wir gleich am zweiten Tag
abends, nachdem Bernd den ganzen Tag den Windpiloten mit Steve wieder ans Schiff
montiert hatte und ich die UPPS geputzt hatte. Steve sagte mir morgens, dass er
sich sicher sei, dass ich heute zum ersten Mal Wale sehen werde. Ich glaubte ihm
kein Wort, bis er bei Sonnenuntergang mit seinem Beiboot zu uns kam und brüllte,
ich solle sofort Maske und Schnorchel nehmen und mit dem Beiboot losfahren, denn
er hat in der Ferne Buckelwale gesehen.
Noch
an Deck stehend, sehe ich den ersten großen Wal aus dem Wasser kommen. Ich bin
wie versteinert, so ein großes Meerestier h atte ich noch nie zuvor gesehen.
Bernd zieht mich ins Beiboot und ein paar Minuten später springt er neben den
Walen ins Meer. Erst traue ich mich nicht, aber als Bernd dann sagte, dass es
eine ganze Buckelwalfamilie sei: Vater, Mutter und Baby, ist meine Angst
vergessen. Ich springe ins Meer und sehe die schönste kleine Familie auf dieser
Welt. Mutter, Vater und Baby schwimmen dicht übereinander her, die Mutter achtet
auf ihr Baby und da es öfter Luft holen muss als die Eltern, holt sie beim
Abtauchen sanft mit der Flosse wieder an sich heran. Schöner kann eine Liebe
zwischen einer Familie nicht gezeigt werden. Mir kommen fast die Tränen vor
Rührung, so etwas sieht man nicht oft im Leben. Wir haben das Glück, dass wir
lange Zeit mit der Familie im Meer verbringen dürfen, nur die einsetzende
Dunkelheit zwingt uns zu unserem Schiff zurück. Wie benommen kehren wir auf die UPPS zurück und immer noch voll in Gedanken, nehme ich meine Wäsche von der
Rehling ab. Und da kommt ein riesiges Tier mit einem lauten Schnaufen aus dem Wasser
aufgetaucht, ich springe vor Schreck an die Seite, ein weiterer Buckelwal ist
genau neben der UPPS.
Das sollte nicht unser letztes Erlebnis mit den
faszinierenden Tieren sein. Wir haben das Glück sie noch oft in Schiffsnähe zu
sehen und mit ihnen schwimmen gehen zu dürfen!
Wir mieten uns ein Motorrad und machen zwei Tage lang
Inselausflüge. Die Insel hat viel zu bieten, es gibt viele natürliche
Schwimmbecken wie z.B. Matapa Chasm in der Rifflandschaft, oder der bekannte
Felsenbogen namens Talava Arches oder das absolute Highlight Togo. Togo darf man
einfach nicht verpassen. Erst wandert man durch einen Regenwald, dann durch eine
spitze Felslandschaft und an den Klippen erreicht man zwischen Felsen einen Palmenstrand mit
feinstem weißem Sand. Vielleicht geben Euch die Fotos einen besseren Eindruck!
Wir gehen mit der lokalen Tauchschule
an einem Vormittag tauchen, unsere Ziele sind der Tauchspot Ana Mahaga und
Bubble Cave. Niue zählt zu den besten Tauchspots auf dieser Welt, unsere
Erwartungen waren dementsprechend hoch. Allerdings hatten wir nicht gewusst,
dass hier der Zyklon Heta am 5. Januar 2004 mit einer Windgeschwindigkeit von
mehr als 300 Km/H und einer Wellenhöhe von bis zu 30 Metern über die Insel
herfiel und somit nicht nur Häuser dem Erdboden gleich gemacht hat, sondern auch
die Natur zerstört hat und besonders die Unterwasserwelt.
Es
gibt keine Korallen mehr, nach 4 Jahren sehen wir erste Anfänge von kleinen
vereinzelten Korallchen. Dementsprechend ist das Fischleben gering, allerdings
sehen wir zum ersten Mal giftige Wasserschlangen, die neben den und den
Unterwasserhöhlen die Attraktion sind. Jedoch ist es ein trauriges Bild, das man
unter Wasser geboten bekommt, bei einer Sicht bis zu 100 Metern, denn das Wasser
ist kristall klar. Faszinierend sind jedoch die Gesänge der Wale, die man unter
Wasser hört.
Abends gehen wir öfter im Falala Fa Restaurant (auf
deutsch: 4 Schwestern) essen und am Sonntag trampen wir zu dem berühmten
Washaway Cafe. Angeblich sollen sie tolle Burger haben, aber uns wurde
schlecht von dem Burger. Also man hat nichts verpasst, wenn man dort nicht
gewesen ist.
Dann
kommt auch das angekündigte schlechte Wetter, der Wind dreht erst nach Norden
und weiter nach Westen. Wind und Welle stehen in die Bucht, was das Anlanden mit
dem Beiboot sehr schwer macht. In Niue macht man das Beiboot nicht an einer Pier
fest, sondern es wird mit einem Lift aus dem Wasser gehoben. Durch den Schwell
erscheint mir dies lebensgefährlich. Wir wagen trotzdem einen Landgang um
auszuklarieren und um unsere Rechnung zu bezahlen, falls wir aufgrund schlechter
werdenden Wetters überraschend ablegen müssten. Aber das Wetter wurde nie
schlechter, sondern es hatte seinen Höhepunkt genau zu dem Zeitpunkt, wo wir den
Landfall machten. Die UPPS und ihre Crew wurde wohl noch kräftig durchgerüttelt,
aber ansonsten lagen wir sicher an der Mooring!
Also kurzum, alle Segler, die den Pazifik durchqueren, sie
sollten Niue nicht verpassen!
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