
2009 Teil
05: Vanuatu ( Ambrym und die Banks )

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Bildarchive:
Ambrym und
die Banks.
Wir sind inzwischen in Vanuatu angekommen. Nach dem
Einklarieren in der Hauptstadt Port Vila ist es eine Zeitreise in die Vergangenheit, die uns mehrere
hundert Jahre zurück versetzt. Im nördlichen Vanuatu
ist der Pazifik so, wie wir ihn uns immer
vorgestellt haben.
Hier stehen Strohhütten am Strand, mehrere Hütten bilden ein kleines
Dorf, das bis heute einen Häuptling hat. Es gibt
keinen Strom oder fließendes Wasser. Für die
Einwohner ist es eine Sensation, wenn Schiffe in der
Bucht liegen und abends ihre Ankerlichter anschalten.
Lichter sehen sie selten oder haben sie zuvor noch nie gesehen.
Die Menschen tragen mittlerweile westliche
Kleidung und nicht mehr ihre traditionelle Kleidung. Sie
sind über freundlich, lustig und genießen trotz
Mangel an allem ihr Leben. Sie haben nur das, was
die Natur ihnen gibt und davon leben sie. Sie essen
kaum Fleisch oder Fisch, nur wenn sie ein Schwein
oder eine Kuh schlachten. Dies geschieht nur bei besonderen Anlässen wie
Hochzeit, Geburtt oder Tod. Zum Fischen haben sie
keine Boote, sondern Kanus,
die sie selbst aus einem Baumstamm schnitzen.
H ier im Norden von Vanuatu kommt selten ein
Versorgungsschiff (mit Glück alle 3 Monate), so
dass es kaum Reis oder Mehl gibt. Die Menschen essen
hauptsächlich verschiedene Arten von Wurzelpflanzen,
Kürbis, Kokosnuss, "Chinesisches" Gemüse, Bananen,
Pampelmusen. Sie trinken Wasser, Zitronenwasser
oder Kawa. Sie singen viel, um eine Form der
Unterhaltung zu haben. Wenn sie mal einen Generator
anwerfen können (sie haben Mangel an Benzin und
Diesel), sitzt das ganze Dorf vor dem Fernseher und
schaut sich eine DVD an.
Wir
sind nun schon fast 3 Wochen in diesem Land und wir
erleben täglich mehr von einem Leben, das uns sehr
fremd ist.
In den letzten 2 Wochen, nachdem wir die Hauptstadt
verlassen haben, waren wir auf zwei Festivals. Diese
werden veranstaltet, um die Traditionen zu
bewahren, aber auch um Segler anzuziehen, um ein
bisschen Geld zu verdienen. Die Segler sind neben
dem Anbau von Kobra ihre einzige Einnahmequelle.
Viel wichtiger als das Geld sind Tauschgeschäfte. Die Menschen hier wollen
kein Geld, sondern freuen sich über alles, was sie
von uns bekommen bzw. gegen Gemüse und Obst tauschen
können. Bernd und ich haben alle Schränke
aussortiert, um alles wegzugeben, was wir nicht
brauchen oder doppelt haben. Hier ist alles
willkommen, selbst Dinge, die wir als Müll ansehen.
Gestern haben wir all unsere
alten Plastikflaschen und Container mit an Land
genommen und sie wurden unter der Dorfgemeinschaft
verteilt. Die Menschen brauchen diese zur
Aufbewahrung von Zucker, Mehl usw. als Schutz vor
Ungeziefer.
Bernds alte Schuhe, die wir sicher weggeworfen
hätten, wurden mit Freude genommen. Endlich
hatte ein Dorfbewohner, der so große Füße wie Bernd hat, ein paar Schuhe.
Hier herrscht Mangel an allem.
Ich wünschte, ich
könnte alle Kleidung, besonders Kinderkleidung, die
bei uns weggeworfen wird, hierher schicken. Sie
haben mir bereits Adressen gegeben und gesagt, man
könnte Sachen schicken, aber sicher ist das Porto
viel zu teuer... LEIDER! Hier fällt es mir wirklich
leicht auszusortieren und wegzugeben. Alleine das
Lächeln oder das Strahlen in den Augen ist es mehr
als wert!
Die beiden Festivals waren sehr interessant aber auch
sehr unterschiedlich. Im Nachhinein war das erste
Festival in Ambrym viel zu teuer (70 Euro pro
Person, wird aber der Dorfschule zugute kommen) und
mit drei Veranstaltungstagen zu lang.
Es war
eintönig. Immer gleiche Kostüme und Tänze und zudem
auch noch eine brutale Tötung von zwei Schweinen. Sie
schlugen dem armen Tier auf den Kopf, aber leider
nicht fest genug und somit musste es eine halbe
Stunde leiden bis sie endlich den tödlichen Stoß
mit einer Machete gaben. Ich empfand es als grausam und das Schreien
des Schweins klingt mir noch heute in den Ohren.
Am
dritten Tag haben sie dann auf eine öffentliche Tötung
eines weiteren Schweins verzichtet, da wir westliche Kulturen damit nicht
umgehen könnten, für sie ist es das ganz normale
Leben! Wie recht sie haben, wir gehen in den
Supermarkt und haben eine Packung mit einem Stück
Fleisch sauber vor uns liegen, die Tötung des
Schweins bekommen wir ja nicht mit! Ob das besser
ist, ist sicher eine offene Frage...
Nach dem ersten Festival sind wir gleich weiter
gesegelt, in 24 Stunden Nonstop, um in den Norden zu
den sogenannten Bank Inseln zu gelangen. Dort findet
das viertägige "Twin Water Festival", jedes Jahr ab 1.
September, auf Vanua Lava statt.
Uns wurde
vorher gesagt, dass die Menschen hier in den Banks
sehr arm sind, da kaum ein Versorgungsschiff vorbei
kommt. Aber (nur) der erste Eindruck vermittelte ein
ganz anderes Bild. Sie hatten sogar eine VHF-Anlage,
mit der sie ein Tag vor Beginn uns anfunken und uns
alle Informationen, Programmablauf und alles, was
wir mitbringen sollten, gaben.
Am nächsten Morgen war ab 7 Uhr ein Stimmengewirr
vom Strand zu hören, dort saßen die Menschen schon
und warteten darauf, dass wir an Land kommen.
Als es
dann um 9 Uhr endlich so weit war, wurden wir dann
schon von dem sogenannten "Securitiy Team" am Strand
empfangen, die uns halfen aus dem Beiboot zu steigen
und dieses am Strand hochzuziehen. Dann begrüßte uns
unsere sogenannte "Tourguide" Andrea, die uns für
die nächsten vier Tage durchs Programm begleiten
sollte. Sie brachte uns zum Ort des Geschehens
und wir bezahlten unseren bescheidenen Eintritt von
10 Euro. Eine Quittung bekamen wir auch, ein Stück
Bambus mit dem Betrag darauf geschrieben.
Aus Palmenblättern waren das Informationsbüro und
Eintrittschalter, die Essbuden und die Tribüne
gebaut. Es war alles durchorganisiert, so wie wir eine
Veranstaltung organisieren würden. Selbst die Tourguides und Security hatten Namensschilder
gebastelt und am T-Shirt befestigt. Es war rührend,
besonders bei der Eröffnung der Veranstaltung.
Nachdem eine Rede gehalten wurde, die Fahne zur
Nationalhymne hochgezogen war, sang der Chor ein
Willkommenslied für die Segler. Und dann erlebten
wir ein abwechselungsreiches Programm für die
nächsten 4 Tage. Morgens begann es immer gegen 9.30
Uhr und wir kamen nie vor 17 Uhr zum Schiff zurück.
Sie zeigten Tänze, Schnitzarbeiten, Herstellung von
Strohkörben, wie sie Süßwassergarnelen fangen, ein
Kanurennen, ihre historischen Orte auf der Insel,
sie sangen, wir hörten Wassermusik, sahen urtümliche
Spiele und vieles mehr.
Wir sprachen viel mit den Menschen und tauschten
Obst und Gemüse gegen alles, was sie haben wollten.
Natürlich verschenkten wir auch das eine oder
andere. Es waren viele neue Eindrücke und
Erlebnisse, die teilweise sehr rührend waren und uns
sehr zum Nachdenken veranlassten. Abends waren wir
immer todmüde, die Bootsarbeiten blieben liegen.
Aber was soll’s, wann darf man so etwas erleben und
es wird auch nicht mehr lange hier zu sehen sein,
denn sie versuchen den Tourismus schnell auszubauen,
eine Chance für Einnahmen.
Nach dem Festival sind wir in die nächste Bucht
weitergesegelt und dachten, wir hätten Ruhe und
Zeit, die nötigen „Hausarbeiten“ zu machen, aber
kaum lag der Anker, lud der nächste Häuptling zum
Essen ein. Somit waren wir wieder an Land
und wurden herzlich begrüßt. Auch hier sang man ein
Lied für uns, hieß uns herzlich Willkommen, bei
Fragen sollten wir immer auf sie zukommen
Wir bekamen Hinweise zur Bucht, z.B.
man kann schwimmen (keine Krokodile vorhanden, auf der
anderen Seite der Insel tauchen die ersten Salzwasser
Krokodile auf, wir nähern uns Australien) und wir
sollten Mückenschutz wegen Malaria auftragen. Aber wir
nehmen ja schon seit drei Wochen Medikamente zum Schutz
vor Malaria.
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