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2009 Teil 07: Vanuatu ( Malekula bis Tanna )

Karte Malekula bis Tanna

Malekula Island Art Festival
Nach all den außergewöhnlichen Erlebnissen in Espiritu Santo übernimmt die Wettervorhersage wieder unseren Zeitplan. Es ist Nordost-Wind vorhergesagt und somit nehmen wir die Gelegenheit beim Schopf und unseren Rückweg in den Süden auf. Das Wetter wird die Reise bestimmen, denn wir möchten nicht gegen Wind und Welle aus Südost mit dem Motor anbolzen. Man sagt ja auch, man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist.

Es ist Dienstag, der 29. September 2009. Unser Ziel ist die kleine Insel Wala im Norden von Malekula, wo auch gerne ab und zu Kreuzfahrtschiffe einen Tagesstop einlegen. Hier gefällt es uns richtig gut. Tolles blaues Wasser, das zum Schwimmen einlädt und eine schöne Pazifikinsel mit kleinem Dorf.

Bernd braucht eine Pause von den Dorfbewohnern, so dass ich mit der Crew eines australischen Katamarans losziehe, um die Insel zu entdecken. Am Strand werden wir schon von einem Dorfbewohner erwartet und bekommen eine Inselführung. Selten hat man die Chance sich alleine in einem Dorf in Vanuatu zu bewegen, es findet sich immer ein Häuptling oder Führer, der einen begleitet, was gerade uns Seglerfrauen manchmal stört. Wir würden gerne alleine loszuziehen, um einerseits miteinander ungestört reden zu können, aber auch mit den Frauen des Dorfes in engeren Kontakt zu kommen, was aber mit einem Häuptling so gut wie nicht möglich ist. Aber scheinbar gehört es sich zum guten Ton Fremde durchs Dorf zu führen.

Der Nachmittag bzw. frühe Abend endet in der Kava-Bar des Dorfes, eines der Crewmitglieder des Katamarans möchte gerne Kava versuchen. Mir graut es schon bei dem Gedanken, diese Schlammbrühe nochmals trinken zu müssen. Aber ich komme nicht Drumherum und somit stürze ich eine halbe Kokosnusschale mit der braunen Brühe runter und hoffe, dass sie nicht genauso schnell wieder hoch kommt. Gleich ist auch meine Zunge taub, denn der Kava in Vanuatu ist sehr stark. Jetzt und hier schwöre ich mir, nie mehr trinke ich diese eklige Brühe! Aber es war ein Erlebnis der besonderen Art, so wie ein Besuch in der Dorfkneipe bei uns in Deutschland.  

Malekula Island Art FestivalBernd und ich planen einen weiteren Tag hier zu verbringen, aber eine Tsunami-Warnung, die morgens um 7.00 Uhr über die deutsche Funkrunde verkündet wird, ändert schlagartig unseren Plan. Wir nehmen sofort Anker auf und versuchen so schnell wie möglich mit der UPPS in tiefe Gewässer zu gelangen. 45 Minuten später erhalten wir jedoch Entwarnung, Vanuatu ist von der Welle nicht betroffen.  Der Schrecken war jedoch sehr groß und die uns am nächsten Tag erreichende Email von einem Amerikaner aus amerikanisch Samoa mit Schilderungen der Zerstörung durch die Welle, bewies uns, dass wir sicher recht hatten abzulegen. 

Wie der Zufall es möchte, sind wir somit am 2. Oktober in den Masqueline Islands, wo das sogenannte „Malekula Islands Art Festival“ stattfindet. Eigentlich wollten wir uns kein weiteres Festival ansehen, aber wo wir sowieso schon da sind… und es hat sich gelohnt!

Wir nahmen an der 3-tägigen Veranstaltung nur einen Tag teil, aber das Programm war sehr vielfältig mit vielen Tänzen, Kostümen und Masken und einer Vorführung des Sandmalens, was ich sehr gerne noch erleben wollte. Das Sandmalen entstand dadurch, dass die Geschichte Vanuatus nur mündlich von einer Generation zur anderen weitergegeben wird. Abends sitzt man zusammen und die alte Generation erzählt der jungen Generation die Geschichte des Volkes und malt dabei Figuren im Sand. Man sagt, es gibt 300 bis 500 festgelegte Gemälde, die alle eine Bedeutung haben.

Ein weiterer Tag in einer anderen Bucht der Masqueline Islands und weiter geht es über das Cook Riff nach Mele bei Port Vila in Efate. Dort feiern wir Bernds Geburtstag! Aber erstmal soll uns nach dem Frühstücken wieder eine Tsumani-Warnung erreichen. Es gab ein Erdbeben im Norden von Vanuatu. Wir nutzen das vorhandene freie WiFi der Bucht, um nähere Infos zu erhalten.

Malekula Island Art FestivalEs ist leider alles wahr und somit nehmen wir sofort wieder Anker auf und fahren in tiefen Gewässern. Überraschenderweise kündigen sich unsere Freunde von den Schiffen Nuku’alofa und Tuulivei über Funk an, zu uns in die Bucht zu kommen und somit warten wir bis die Entwarnung kommt und fahren zurück zum Ankerplatz. Abends gehen wir zu Feier des Tages Pizza essen und sind mal wieder sehr froh, dass keine Welle kam.  

Der Wetterbericht meldet sich wieder zur Weiterfahrt und somit segeln wir am 9. Oktober Richtung Tanna mit seinem aktiver Vulkan Mount Yasur, ein weiteres Highlight Vanuatus. Die vulkanischen Aktivitäten in Vanuatu sind sehr ausgeprägt. Gelegentlich kommt es zu leichten Eruptionen, denn der Inselstaat liegt auf dem rund um den Pazifik laufenden Feuerring.

Neben dem sehr aktiven Vulkan Yasur auf Tanna, den man besuchen kann, gibt es auf den Inseln Ambrym  und Lopevi die imposantesten Vulkane, die beide äußerst gefährlich sind. 

Schon beim Ansteuern der Insel sehen wir den Vulkan mit seinem dunkeln Qualm. Wir ankern im malerischen Port Resolution, über den wir viel Schlechtes gehört hatten, aber uns als der schönste Ankerplatz Vanuatus in Erinnerung bleiben wird. Von dort  werden wir am n. Tag den Ausflug zum Mount Yasur unternehmen. Abends sehen wir schon die rote Glut über dem Berg hängen, aber das bereitet uns nicht auf das vor,  was wir am nächsten Abend erleben sollen.

Yasur Vulkan in TannaUm 16 Uhr werden wir abgeholt und mit einem geländegängigen Fahrzeug bis kurz unter den Kraterrand gefahren. Ein lautes Grollen des Yasur schallt zu uns herüber. Nach einem 20-minütigen Aufstieg bis an den Kraterrand blickten wir in die Tiefe der Kaldera. Und dann plötzlich passiert es: Man hört wieder das Grollen und aus einer  der Öffnungen wird im nächsten Moment Lava und rotglühende Gesteinsbrocken emporgeschleudert, ein Inferno von Glut, ein Hagel von glühenden Steinen, ein Ausstoß von dickem, übelriechenden Qualm! Es ist furchteinflößend und oft erschreckt man sich. Man steht da und kann es nicht fassen, was man gerade zu sehen bekommt. Das ist Natur pur und die Macht der Erde!

Allmählich senkt sich die Dunkelheit über die Vulkanöffnung und die feurigen Schlunde heben sich deutlicher ab. Plötzlich bildet sich ein „Lavapilz“, der in einer Explosion zerplatzt. Die Lava spritzt wie zäher Kleister auseinander, und glühende Steine werden hoch in die Luft geschleudert. Das Echo des Knalls hallt in den Kraterwänden wieder und die glühenden Steinbrocken fallen in den Krater zurück. Eine solche Explosion findet ca. alle 5 bis 10 Minuten statt. Aus Sicherheitsgründen wird die Aktivität des Vulkans in 4 Levels eingeteilt. Bei Level 4 dürfen keine Besucher zum Vulkan.  

Gegen 18.30 Uhr verlassen alle Reiseführer mit ihren Gruppen den Vulkan, da es dann für den Abstieg und die Heimfahrt schon sehr dunkel ist. Es gibt ja kein Strom und somit keine Beleuchtung. Geblendet von dem einmaligen Erlebnis fährt man dahin und denkt an nichts anderes, als an dem Vulkan.  

Und dann heißt es auch Abschied von Vanuatu nehmen. Wir verlassen die Bucht und ein Fischer in seinem Kanu winkt und lächelt uns ein letztes Mal zu. Vanuatu, ein faszinierend Land!

Unser nächstes Ziel soll Neu-Kaledonien sein, eine 2-tägige Reise zurück von der Vergangenheit in die moderne Gegenwart.